FIRST WE TAKE BERLIN ...



 

FIRST WE TAKE BERLIN

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Eine kurze Einführung in den ZHdK-Workshop 11. – 14. Januar 2010
Kontakt: Peter Paul KubitzJürgen Keiper



„24h Berlin“, ein weltweit einzigartiges Fernsehprogramm, wird zur Zeit im Museum für Film und Fernsehen der Stiftung Deutsche Kinemathek - in Kooperation mit nationalen und internationalen Einrichtungen wie Hochschulen, Museen, Archiven und Kulturinstituten - zum kulturellen, künstlerischen und technologischen Experiment und Forschungsprojekt. Es soll auf nationaler und internationaler Ebene neue Formen der Kunst- und Kulturprodution und neue Formen des kulturellen Austausch und der kulturellen Vermittlung ermöglichen – und zwar jenseits der traditionellen Sende- und Distributionsstrukturen audiovisueller Medien wie Film und Fernsehen. Jenseits auch der klassischen Grenzen zwischen Kunst, Kultur, Wissenschaft, Ökonomie, Politik und Recht zum Beispiel. Gewünscht ist auch eine kulturpolitische Debatte der Bürgerinnen und Bürger, der Citizens, über die Lebensmöglichkeiten in den Städten Europas im 21. Jahrhundert. Dabei werden zugleich neue Verfahren der digitalen Archivierung sowie der öffentlichen Präsentation und Bereitstellung von Archivmaterialien entwickelt.


Das Ausgangsmaterial dazu bieten 700 Stunden Film, am 5. September 2008 von 80 Kamerateams 24 Stunden lang aufgenommen im gesamten Stadtraum von Berlin. Aus diesem Bild- und Tonmaterial entstand genau ein Jahr später das vierundzwanzigstündige Fernsehprogramm „24h Berlin“, produziert von der Berliner Firma „zero one“, ausgestrahlt an einem einzigen Sendetag ohne Unterbrechung vom ARD-Sender Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) und dem deutsch-französischen Kulturkanal „arte“.

Die Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen hat mit der Archivierung dieses 24-Stunden-Programms und des gesamten Drehmaterials weitgehende Rechte zur Bearbeitung der Bilder und Töne über die klassische Archivierung hinaus erhalten, Basis für das Projekt FIRST WE TAKE BERLIN. Gemeinsam mit Studierenden an der ZHdK sollen in diesem Workshop anhand der archivierten und zum größten Teil noch nie öffentlich gezeigten Filmbilder die Möglichkeiten ihrer transdisziplinären Bearbeitung praktisch erforscht und theoretisch erörtert werden.


Für den Workshop wurden 16 Themen ausgewählt, 16 von den 80 Teams, die in Berlin 24 Stunden unterwegs waren. 8 Themen sind Berlin-Impressionen, 8 befassen sich mit Personen, die in Berlin leben und arbeiten. Ausschnitte des Materials stehen ab sofort für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des workshops auf dieser Seite zur Einsicht bereit. Es darf jedoch außerhalb des Workshops nur nach Absprache mit der Deutschen Kinemathek verwendet werden. Das ist zur Zeit noch die rechtliche Basis für den Umgang mit einem derart „offenen“ Archiv. Aus ganz pragmatischen Gründen wurde für den Workshop in der ZHdK das ausgewählte Drehmaterial noch einmal zeitlich gekürzt, um es für einen produktiven Umgang in nur vier Tagen übersichtlich zu halten und überhaupt nutzbar zu machen. Dieses Filmmaterial bringen wir zum Start des Workshops mit. Es wäre gut, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten sich bis zu Beginn des Workshops am Dienstag, den 11. Januar, einmal von dem audiovisuellen Angebot einen Eindruck verschafft und, im besten Falle, auch schon dafür entschieden, mit welchen der Materialien/Themen sie jeweils arbeiten wollen.


Dabei ist vieles möglich: Unterschiedliche Bildquellen können miteinander kombiniert oder einzelne Themen bearbeitet werden. Das kann individuell entstehen oder in kleinen Gruppen. Es können, aber es müssen auch keine neuen Filme entstehen (variabel in der Länge von 1 Sekunde bis hin zu xx Minuten). Die Bilder können auch für Projektionen und Performances (Tanz z. B.) genutzt werden. Sie können überarbeitet, angehalten, beschleunigt, beschrieben, bemalt, betextet, abfotografiert, vertont oder auch zum Ausgangspunkt für völlig neue, andersartige Produkte genutzt werden. Angebracht wäre es, für eine solche vielfältige Bearbeitung möglichst auch eigene Arbeitsintrumente mitzubringen. Die ZHdK stellt Laptops und Kopfhörer zur Verfügung und auch den technischen Support (zum Beispiel für diejenigen, die das Material umschneiden und neue Filme herstellen wollen, aber nicht über das dafür notwendige Schnittprogramm – Final Cut – und die entsprechende Erfahrung damit verfügen). Dafür danken wir Carmen Weisskopf und Eric Andreae.

Jeder Tag des Workshops schließt mit einer gemeinsamen Runde, in der Teilschritte der eigenen Arbeiten vorgestellt und diskutiert werden können. Jeder Tag wird mit einem Beitrag der Leitung des Workshops eröffnet, der sich, wie nah oder entfernt auch immer, mit besonderen Aspekten des Workshops befasst. Wir freuen uns auf diese Tage mit Ihnen, sind sehr neugierig, auf diese Tage und auf Sie. Und wir werden an allen Tagen durchweg allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die dies wünschen, zum Gespräch zur Verfügung stehen. Dieser Workshop ist ein transdisziplinäres Experiment, das seine kalkulierbare und seine völlig ungewissen Seiten hat. Dazu gehört auch die Option einer wie auch immer gearteten Publikation oder Ausstellung der Arbeitsergebnisse, im Internet beispielsweise oder in den Räumen der ZHdK, kuratiert von der Leitung des Workshops sowie jenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die nach diesen 4 Tagen Lust und Zeit dazu haben.

Wir bitten außerdem alle Teilnehmerinnen des Workshops ein Produktionstagebuch zu führen, das ebenfalls Teil der Neuinterpretation und -installation der Archivbilder aus und von Berlin sein sollte. Alle weiteren Informationen dann am Dienstag bei der Eröffnung des Workshops. FIRST WE TAKE BERLIN... Wir hoffen, diese Website beflügelt schon jetzt Ihre transdisziplinären Fantasien und Wünsche. Bis gleich in Zürich!



Peter Paul Kubitz                    Jürgen Keiper